12 JULY 1935, Page 15

Jugendherbergen

[Von einem Deutschen Korrespondenten]

DIE Jugendherbergen bieten fiir die wandernde Jugend die Moglichkeit zum tbernachten. Sie wurden geschaffen von dem Reiehsverband deutscher Jugendherbergen, der sic auch beaufsichtigt und verwaltet. Ausserdem wird ein Herbergsverzeichnis herausgegeben, das die Zahl der Jugend- herbergen enthalt und auch nahere Angaben fiber die Heime

maeht. Im Jahre 1911 gab es in ganz Deutschland nur 17 Jugendherbergen. Im Jahre 1982 waren es 2.124 Herbergen.

Inzwisehen ist die Zahl wieder bis auf 2.000 Jugendherbergen gesunken, da die schlechten Heime geschlossen wurden.

Wie alljahrlich fand auch vor kurzem eitt Werbe-und Opfer-Tag fiir deutsche Jugendherbergen statt, dessen EA& fur den Aufbau weiterer und den Ausbau bereits vorhandener Jugendheime verwendet werden wird. Sogar die aus-und inlandische Presse wurde vom Reiehsverband deutscher Jugendherbergen eingeladen, auf einer zweitagigen Wanderung und Autofahrt, einige der bedeutendsten Jugendherbergen kennen zu lernen.

Einc kurze Statistik, die auch die Zahl der Zbernachtungen angibt, zeigt besser als alles andere die Aufwartsentwicklung dieser fiir die Jugend so wichtigen Bewegung :

1911 waren 17 Jugendherbergen mit 3.000 Obernachtungen

1919 waren 200 Jugendherbergen mit 60.000 bernachtungen. 1928 waren 2,177 Jugendherbergen mit 3,800.000 rbernaohtungen 1934 waren 2,000 Jugendherbergen mit 6,000.000 rbernachtungen

Wie man sieht, eine interessante Entwicklung, bei der man noch beracksichtigen muss, dass in Deutschland, auch ein grosser Teil der Jugend in eigenen Zelten, iibernachtet.

Die Ferien und die Jahreszeiten bringer' es naturgemass mit sich, dass die Jugendherbergen in den Sommermonaten ilberffillt sind, wahrend sic zu den iibrigen Zeiten des Jahres oft brach liegen. Dann ist es far den Verwalter, in Deutschland auch der " Herbergsvater " genannt, schwer, die Jugend- herbergen durchzuhalten. Der Stoat gibt grundsatzlich nut fiir die Anschaffung von Bauten einen Zuschuss. Fur alles andere sind die Herbergen selbst verantwortlich. So miissen also die Herbersviiter durch Einnaluncn aus Obernachtungen und Mahlieiten die Heime rcntabcl machen.

Eine acne Form der Jugendherbergen wird von den Siedler- herbergen gebildet, die vorlaufig in Pommern ausprobiert werden. Hier wird die Jugendherberge mit einer Landsiedlung verbunden, fiir die beruflich ausgebildete Siedler ausgewahlt werden. So erhalt der Herbergsvater durch seine Siedler- tfitigkeit noch eine Einnahme und wird so san iert.

Um das Jugendherbergs-Werk finanziell stabiler zu machen, wurde ein Schulpfennig eingefiihrt. Das bedeutet, dass in jeder Schule von einem Lehrer von jedem Schiller ein Pfennig im Monat eingezogen wird. Dadurch konnte bereits in diescm Jahre die Ubernachtung von 80 Pfennig auf 20 Pfennig herabgesetzt werden. Durch das Internationale Abkommen von Godesberg wurde eine gegenseitige Benutzungsbereitschaft mit den Herbergsverbanden von Belgien, Danmark, Frank- reich, Holland und Irland abgeschlossen, so dass nun die Jugendherbergen in Deutschland und diesen Landern sozusagen internationalisiert sind.

Die interessanteste Jugendherberge befindet sich in Hamburg. Sie ist auf einem Schiff, dem " Hein Godewind " eingarichtet, und hat Schlafsale fiir Jungens und Models. Der Herbergsvater wird hier mit " Kapitan " angesprochen. Anders bedeutende Jugendherbergen sind die von Altena in Westfalen, 1909 gegrilndet und so die alteste Herberge, dann die Hitler-Herberge in I3erchtesgaden, nahe dem Sommersitz des Fiihrers, die Langemarek-Herberge in Eisenach, mitten im Herzen von Thuringen, die Jugendburg Stahleck am Rhein, wohl den meisten Auslfindern bekannt, die Rudzanny-Herberge in Ostpreussen, und schliesslich die Hindenburg-Herberge in Hannover.

In alien diesen Orten herrscht ein straffer, kamerad- schaftlicher Geist, der heute schon, besonders in den Grenzge- bieten, nach einer bestiinmten nationalen und politischen Seito hin geschult wird. So kann man diese Sommer-Kasernen der deutschen Jugend als einen wesentlichen Faktor der geistigen und paedagogischen Aufriistung vom jungen Deutschland ansehen and bewerten. F. G.