13 DECEMBER 1935, Page 15

Universitit und Pepiniere

[Von einem pcutschen.Korrespondentenj

Pn Pepiniere, eine ,Pflanzschule fiir Militiiriirzte, in Berlin, ist Alter als die dortige Universitiit. 'Es hit bezeichnend, dass in der Ihutptstadt Prcussens selton vor anderthalb Jahrhunder- ten, die Militiirwissensehaftcn den Vorrang batten vor den C-eisteswissonsehaftert. Pas Studiuns der Medizin wurde in dem Spital der Charite, dent " Collegiunt medico-ehirurgicum " und in Anatornischen Theater betrieben. Die Chirurgie, nosh von den sogenannten Baderrt.ansgefibt, war zwar von Friedrich dent Grosses notgedrungenerweise organisiert worden, schon um seine Grenadiers fur nem Sehlachten zureeht zu flieken. Aber erst Friedrichs Nachfolger, sein Neffe Friedrich Wilhelm' Ibbegalin, die Chirstrgert .wissensehaftlich auSzuhilden. „ Des Konigsoherster Aimee-Arzt, Generalstabs7Chirurgus •Goeicke, griindete die erste Militiiritrzte-Akadamie, die Pepiniere int Juhre Erst vierzelin Jahre spiiter wurde die -Culver- sitilt gegriindet. Die Pepiniere gedieh dank der vielen Feldziige dieser Zeit. Die Ziiglinge nutssten in der Schule wohnen und waxen verpflielitet, den Zopf zu tragen. Aber

fiir Uniforthen war kein Geld da. •

Nach der Griindung der Universitiit wolltc swan Wilhelm von Humboldt die Zicit-ttnd •Militifrarzte in der I cersitiit yereinigen, fiber Goereke gelang es,,sneben der Pepiniere sugar noels eine .weitere "..Meclizinisch-chirurgische Akadentie fiir das Militiir 7' zu liekommen, die von dem Arzt. and l'rtiversi- tiit.sprofessor Hufeland bet runt werde. Nach den Napo- leoni.schen Kriegen wurileit die militiiriirztlichen Bathing- sanstalten zu dens Friedrich-Wilhelm-Institut crwcitert. Aus den ". Chirurgi "., wurden .riehtige Arztc. Von den Schidern wurde. Reifepriifung verlangt. . Nadi dens deutsch- :fra.nzosischen Krieg worden die Milittiriirzte aus dem Beam- tenstand in den Offiziersstand " (Titoism ", und in einem neugeselia ffenen Sassitlitskiirps vereittigt. Schlicsslich wurde hie Pepiniere zu' ihrent lanalertsten Geburtstag zu einer ".‘ kaiser 117i II lel un-Akademie far das miiitiirii rztliche Bil- dungswese " utugeschaffen mid Min Jahrc spater in einem NeubaiS in der Scharnhorststrasse untergebracht. Nach dent Weltkrieg his zur Wiedereinfiihrung der Wehrpf]ieht war die Akadeziiie ein Museum. Heute werden bereits sechs Jahrglinge von Militiiiiirzten wieder 'ausg,ebildet. So wurde die Feier des hundertvierzigjiihrigen Bcstehcns der Pepiniere zu einem grossen; Festakt, an dem Smelt der Reichskriegsmitlister Bloomberg teinahm.

Die Festrede, die. der beriihintc Chirurg Geheinsrat Saner- bruch Welt, ist fur die Geistersverfassung des Dritten Reirlies so typiseh, dass diese Ansp•rache griisste Beachtung cerdient.

Professor Sauerbruch sprach fiber " Arzttunt stud Solda- tentuns." • Der Redner stellte zwar eingangs die Gegensiitzei zwischen den Aufgaben iirztlielfen and soldatisehen Handelns fcst. Dann aber betonte er trotzdem die Uebereinstimmung beider Berufe in ihrer Bindung an die .Grunclgesetze des Lebens. Abwehr und Angriff seicn triebmassige Reaktionen. Arzt und Krieger seien • ein aus dens • Urzustand gerettetes Erbe und dither so urspiiinglich wic dais Gefiihl der ICreatur 'gegeniiber eirter •gottlicheu Macht. Die Beziehung vont Kranken ztmi Arzt ist das reinste und ticfstc Bekenntnis menschlicher Genteinschaft. Aber auch das Soldatentum habc eine besendere mensehlichcBinclung, die Kaineradsehaft, die in der •Stunde, der Gefahr aus der Vereinsamung erliise.

Der grosse Feldheir and der' scIaiipfrrisehe Arzt stehen vor den 'gleichen AUfgaben, nustilich mensehliches Schicksal in Not Sind Tod' zu leiten and zu wenden. Auch fur den Arzt der Wehrinacht set oberstes Gesetz und die unveranderliehe 'Pflicht, zu helfen. Sein Soldatentum sci Hingabe und Opfer- bereitschaft, freilich alit 'der gleichen Disziplin, die den Soldaten der 'Waite beseelt. Artttinn und Soldatentum seien clatter beide 'gekennzeielinet' durch Hingabe an die Ides des Berufes, Hingabe an die Idea des Staates und Hingabe an das Vaterland, an Deutschland. • '

• Diese Redo crregte sogar in dent sonst mit Roden nialst vernachlassigten Dritten Reiche die grosste Auftnerksainkeit. Demi die Vcrtreter der Wissensehaft batten bisher mehr zu Verlieren als 'ihre Position, niimlich. ihren guten Ruf. Hier • dokuthentiert der bedentendate Arzt Deutschlands feierliels vor- der ganzen Welt, dass seine Wissensehaft nichts anderes will als mit zu nsarschicren im gleiehen Sehritt und Tritt !

F. G.